Familienbildungsstätte Bocholt: Level 2 bei "Zukunft einkaufen" eingeführt

Als erste von 27 Familienbildungsstätten im Bistum Münster hat die Familienbildungsstätte in Bocholt das Umweltmanagementsystem „Zukunft einkaufen – Glaubwürdig wirtschaften im Bistum Münster“ nach Level 2 eingeführt. Nachdem die feierliche Verleihung des Zertifikats wegen Corona mehrmals verschoben wurde, fand sie nun bei Wind und Wetter in Gummistiefeln statt. Eine Obstwiesenpflanzaktion bildete den äußeren Rahmen, als Thomas Kamp-Deister, Referatsleiter Schöpfungsbewahrung beim Bistum Münster, die Pla-kette und Urkunde an den Umweltmanagementbeauftragten und Bildungsreferenten der Fa-milienbildungsstätte, Ulrik Störzer, überreichte. Stellvertretend für die vielen Mitwirkenden an dem umfangreichen Prozess wohnten der Feierstunde neu gepflanzte Obstbäume bei. „Wir wollten den Anlass coronakonform gestalten und mit etwas Nachhaltigem verbinden“, erklärt Störzer die Idee zu der ungewöhnlichen Feierstunde.
Die Anlage von zwei Obstwiesen anlässlich des 50-jährigen Bestehens ist eine von vielen Maßnahmen zur Schöpfungsverantwortung der Familienbildungsstätte/Mehrgenerationenhaus Bocholt. Und dies, obwohl die Bildungsstätte selbst gar kein Grundstück dafür besitzt. „Wir wollten mit Familien Patenschaften für Obstbäume übernehmen. Das Pflanzen, Pflegen, Schneiden und Beernten der Bäume und die Verarbeitung des Obstes sollten Teil unserer Bildungsarbeit sein“, beschreibt Christian Jung, Leiter der Bildungsstätte, den Ausgangspunkt.
Gesagt, getan, das Team der Bildungsstätte machte sich auf die Suche nach einer geeigneten Fläche. Eineinhalb Jahre später sind im Bocholter Stadtgebiet 51 Hochstamm-Obstbäume besonders erhaltenswerter alter Sorten gepflanzt. Die Stadt Bocholt und die Westfälische Hochschule Bocholt stellen dafür Flächen zur Verfügung, der Nabu begleitet beratend und hat den Kontakt zu einer örtlichen Firma hergestellt, die bei Bedarf nachpflanzt, und die Familienbildungsstätte organisiert die Pflege und das Beernten mit den Patenfamilien. Das Ganze haben diese fünf Akteure in einem Kooperationsvertrag geregelt und damit ein Netzwerk mit noch mehr Potenzial besiegelt. So kann sich Prof. Heike Beismann, Ansprechpartnerin bei der Westfälischen Hochschule für das Projekt, vorstellen, die Obstwiesen im Rahmen des Nachhaltigkeitszertifikats im Studiengang Bionik für wissenschaftliche Arbeiten zu nutzen.
In der Familienbildungsstätte ist Schöpfungsverantwortung inzwischen in allen Themenfeldern Teil des Angebots. Zudem haben Störzer und sein Umweltteam beim eigenen Wirtschaften alles unter die ökofaire Lupe genommen. Überrascht hat dabei, dass das gedruckte Programm 100mal mehr Papier verbraucht als die Ausdrucke im laufenden Betrieb, obwohl an-stelle früher 10.000 nur noch 5.000 Exemplare gedruckt werden. „Das werden wir weiter senken, ebenso den hohen CO2-Ausstoß durch die Anfahrten der jährlich etwa 20.000 Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer“, erklärt Störzer. Dafür sollen die Fahrradparkplätze mehr und attraktiver und das Mitfahren häufiger werden. Geplant ist außerdem eine Photovoltaikanlage. Ein Wasserspender, der Plastik und Transport einspart, ist bereits installiert, ebenso energiesparende LEDs bei der Beleuchtung und Brennwerttechnik bei der Heizung. Und beim Grillen mit den etwa 80 Kursleiterinnen und Kursleitern gibt es nur noch ein Fleischstück pro Person, ansonsten Gemüse und Kartoffeln. „Wir sind bei der Schöpfungsverantwortung gerne Vorreiter“, freut sich Jung auch als Leiter des Bildungsforums Borken, zu dem die Familienbildungsstätten Borken und Gronau sowie das Katholische Bildungswerk im Kreisdekanat Borken gehören, über das ökofaire Engagement in den Einrichtungen. „Denn wir haben eine Vorbildfunktion.“
www.fabi-bocholt.de
Mehr zu der Initiative „Zukunft einkaufen – Glaubwürdig wirtschaften im Bistum Münster“ www.bistum-muenster.de/zukunft_einkaufen

Bild: Karola Wiedemann

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