„Gemeinsam für Vielfalt" – Pilotpfarreien gesucht

Blühstreifen am Ackerrand können eine von vielen Maßnahmen und Möglichkeiten sein, um biologische Vielfalt in der Landwirtschaft zu fördern.

„Gemeinsam für Vielfalt – Biodiversität auf Kirchenland" – so ist ein Pilotprojekt des Bistums Münster und der Katholischen Landvolkbewegung überschrieben, das mit einer digitalen Informationsveranstaltung im Kreisdekanat Borken gestartet ist. „Wir möchten die Kirchenvorstände unterstützen, mit den Pächterinnen und Pächtern von Kirchenland eine nachhaltige Bewirtschaftungspraxis zu schaffen", erläuterte Fabian Teltrop, Leiter der Fachstelle Umweltschutzmanagement und Schöpfungsverantwortung im Bischöflichen Generalvikariat (BGV), zu Beginn. Gemeinsam mit Pfarrer Bernd Hante, Diözesanpräses der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) und der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB), Ulrich Oskamp, KLB-Diözesanreferent, sowie Birgit Hüsing von der Gruppe Liegenschaften im BGV, hatte er eingeladen. Mit Biodiversität ist die Fülle unterschiedlichen Lebens in einem bestimmten Landschaftsraum gemeint. Und die, da waren sich alle Fachleute einig, sei in ihrer Vielfalt gefährdet.

Die Vertreter der Pfarreien beispielsweise aus Reken, Rhede, Borken, Gronau-Epe oder Bocholt sowie Kreisdechant Christoph Rensing und Kreisdekanatsgeschäftsführer Matthias Schlettert trafen sich mit den Referentinnen und Referenten nicht wie geplant in Stadtlohn, sondern wegen der anhaltenden Corona-Pandemie zu einer Videokonferenz. Rund 3093 landwirtschaftliche Betriebe seien im Kreis Borken registriert, sagte Ludger Rövekamp von der Landwirtschaftskammer NRW. Neben der Tierhaltung und der Milchproduktion bilde der Gemüseanbau einen Schwerpunkt. Rövekamp informierte über die aktuelle Situation in der Landwirtschaft und ließ dabei nicht unerwähnt, dass der öffentliche Druck auf die Familien, deren Existenzen an den Betrieben hängen, enorm gestiegen sei.

Seit einigen Jahren bietet die Kammer eine kostenlose Biodiversitätsberatung an. „Das Thema ist sehr komplex. Wir versuchen gemeinsam herauszufinden, welche Maßnahmen und Angebote am besten zu den einzelnen Betrieben passen", berichtete Johannes Bayer, bei der Landwirtschaftskammer als Biodiversitätsberater für das Münsterland zuständig, aus seiner Praxis.

Prof. Dr. Tillmann Buttschardt vom Lehrstuhl für Angewandte Landschaftsökologie und Öko-logische Planung an der Universität Münster hatte bereits zuvor den Zusammenhang von Biodiversität und Landwirtschaft verdeutlicht. Der Geowissenschaftler und Ökologe sieht dringenden Handlungsbedarf: „Wir brauchen eine neue konventionelle Landwirtschaft, die unter anderem die Böden schützt, keine Gewässer verschmutzt, regionale Wirtschaftskreisläufe fördert und handwerkliche sowie agroökologische Praktiken stärkt", fasste er am Schluss zusammen.

Auch Dr. Britta Linnemann, Vorsitzende und Geschäftsführerin der NABU-Naturschutzstation Münsterland, erklärte anhand diverser Beispiele den dramatischen Rückgang verschiedener Vogelarten und Insektengruppen. „Wir müssen unsere Umwelt so in Takt halten, dass wir das Aussterben verhindern", appellierte Linnemann an ihre Zuhörerinnen und Zuhörer – und fügte eindringliche Worte an: „Es ist eine Riesenaufgabe, die wir aber schaffen können, wenn wir sie jetzt angehen." Prominente Unterstützung für diese Forderung komme von Papst Franziskus, so die NABU-Fachfrau und verwies wie schon Fabian Teltrop auf die päpstliche Enzyklika „Laudato si". Abschließend mahnte Linnemann „wirksame Maßnahmen an", die allerdings Zeit und Raum bräuchten.

Am Ende des Abends stellten Ulrich Oskamp und Birgit Hüsing das auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt vor. „Land ist ein wertvolles Gut, das nicht nur Produktionsstätte für Lebensmittel ist. Wir müssen es als Nahrungs- und Lebensraum für eine vielfältige Flora und Fauna wertschätzen", betonte Oskamp. Voraussetzung für eine nachhaltige Landwirtschaft sei ein gesellschaftlicher Bewusstseinswandel. „Im Idealfall haben wir es am Ende in den Pilotpfarreien geschafft, die ökologischen, ökonomischen, sozialen und kirchlichen Werte und Zielvorstellungen auf Augenhöhe zusammenzubringen", nannte er das Ziel und ergänzte: „Wir fühlen uns als Kirche, die in Deutschland fünf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen besitzt, in der Verantwortung." Insgesamt ginge es bei dem Projekt auch darum, die Pfarreien für das Thema zu sensibilisieren. Hüsing und Oskamp machten den Pilotpfarreien, die sich ab sofort bei Birgit Hüsing und Fabian Teltrop im BGV melden können, das Angebot, sie fachlich eng zu begleiten.

Foto: Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann

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