Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp bei Kreisdekanatsversammlung in Borken

Seit acht Monaten ist Dr. Klaus Winterkamp Generalvikar im Bistum Münster und damit der Stellvertreter von Bischof Dr. Felix Genn. Über seine Erfahrungen aus den ersten Monaten hat er bei der Kreisdekanats- und Vollversammlung im Borkener Kapitelshaus berichtet.

Etwas mehr als ein halbes Jahr ist Dr. Klaus Winterkamp Generalvikar im Bistum Münster und damit Stellvertreter von Bischof Dr. Felix Genn. Über seine Erfahrungen aus den ersten Monaten hat er am 22. Mai bei der Kreisdekanats- und Vollversammlung im Borkener Kapitelshaus berichtet. Vor den Vertretern von Pfarreiräten, Kirchenvorständen sowie kirchlicher Institutionen und Einrichtungen bezog Winterkamp klar Position zu den brennenden Themen in der katholischen Kirche. Die Kirche sei im Umbruch. „Wir werden definitiv zu einer Minderheit“, sagte der Generalvikar. Er betonte, dass diese Prognose kein Blick in die berühmte Glaskugel, sondern das Ergebnis einer Studie sei. Das Bekanntwerden des Missbrauchsskandals habe die Austrittswelle noch einmal angeschoben. Inzwischen kehrten vermehrt auch diejenigen der Kirche den Rücken, die mal zum Kern der Gemeinden gehört hätten.
Winterkamp sprach auch den Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs an. Er unterstrich, dass das Bistum Münster bei jedem Verdacht die Staatsanwaltschaft einschalte. Noch vor den Sommerferien wolle man die systematische Aufarbeitung des Themas auf den Weg bringen. Mit Peter Frings habe das Bistum seit dem 1. April einen Interventionsbeauftragten für die Koordination bei Verdachtsfällen. Neben den Präventionsschulungen, die es weiterhin gebe, seien alle Pfarreien und Institutionen des Bistums zudem aufgefordert, ein Institutionelles Schutzkonzept (ISK) zu erstellen.
Ganz entscheidend für die Identifikation mit der Kirche und ihr gesellschaftliches Ansehen sei jedoch die Klärung der systemischen Fragen. Winterkamp zeigte sich überzeugt, dass die katholische Kirche ihre Sexualmoral überdenken müsse. Ebenso gelte es, über den Zölibat als priesterliche Lebensform und die Stellung der Frau zu reden: „Da gibt es deutlichen Handlungs- und Entwicklungsbedarf“, sagte der Generalvikar und verwies darauf, dass all diese Fragen nicht neu seien. Ein weiteres Aussitzen würde dramatische Folgen für die Kirche haben.
Vor diesem Hintergrund stelle sich außerdem die Frage, wie das Bistum Münster künftig mit dem Thema Leitung und deren Teilung umgehe. „Wir müssen neue Leitungsmodelle finden“, ermutigte Winterkamp die Pfarreien, ihre Ideen und Erfahrungen in den Prozess einzubringen. Womöglich werde es keine einheitliche Lösung für alle Pfarreien in den unterschiedlich geprägten Regionen des Bistums geben. „Da müssen wir vor Ort ausprobieren, was funktioniert“, erklärte er. „Es ändert sich etwas“, versicherte der Generalvikar, „es geht vielleicht nicht schnell, aber es ändert sich etwas.“
Mit dem Rückgang der Mitgliedszahlen würden perspektivisch auch die Kirchensteuereinnahmen sinken, schaute Winterkamp auf den Haushalt des Bistums. Jedem müsse daher einleuchten, dass nicht mehr immer alles finanziell möglich sei.
Trotz der vielen negativen Schlagzeilen machte der Generalvikar den kirchlichen Vertretern aus dem Kreis Borken auch Mut: „Bei allem, was passiert, wir bleiben die Gemeinschaft Jesu Christi. Für seine Botschaft ist es nie zu spät.“

Anschließend berichtete Petra Rottländer als Delegierte im Diözesankomitee von der letzten Vollversammlung des Diözesankomitees, bei der Kerstin Stegemann zur neuen Vorsitzenden gewählt wurde.

Außerdem berichtete Jutta Rademacher aus dem Diözesanrat (dem synodalen Gremium des Bistums Münster). 

Foto: Matthias Schlettert

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