Interventionsbeauftragter informiert über Umgang mit sexuellem Missbrauch

Foto: Bischöftliche Pressestelle / Ann-Christin Ladermann

Beim Thema sexueller Missbrauch geht es für die katholische Kirche nicht darum, Glaubwürdigkeit zurück zu gewinnen. Vielmehr geht es darum, sich der eigenen Verantwortung und dem eigenen Versagen zu stellen. Das hat der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings, am 21. September im Kreis Borken betont. Frings informierte dabei über den Umgang des Bistums mit sexuellem Missbrauch.
Frings sagte, dass die katholische Kirche bei diesem Thema keine Glaubwürdigkeit mehr habe. „Das ist die Folge davon, dass das Thema Jahrzehnte ‚weggedrückt‘ wurde und die Betroffenen missachtet wurden“, unterstrich der Interventionsbeauftragte. Wichtig sei es nun, Betroffenen von sexuellem Missbrauch Gehör zu schenken, ihnen zu glauben und zu schauen, wie sie unterstützt werden können.
Im Bistum, so betonte Frings weiter, gebe es inzwischen eine Haltung der Nulltoleranz beim Thema sexueller Missbrauch. „Voraussetzung zum Handeln ist aber immer, dass die Betroffenen den Missbrauch offen machen“, sagte er. Wenn das geschehe, gebe es seitens des Bistums eine uneingeschränkte Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft: „Sachverhalte wer-den weitergeleitet und zur Anzeige gebracht“, sagte der Interventionsbeauftragte – gegen den Willen der Betroffenen erfolge allerdings keine Strafanzeige. Bei Anzeigen müssten die Gerichte entscheiden, ob sexueller Missbrauch im strafrechtlichen Sinn vorliege. Schwierig seien Situationen im sogenannten Graubereich. Hier gebe es immer wieder inakzeptable Verhaltensweisen, aber keine Schuld im strafrechtlichen oder auch kirchenrechtlichen Sinn.
Frings wies darauf hin, dass seitens des Bistums und der staatlichen Ermittlungsbehörden nur gehandelt werden könne, wenn Beobachtungen oder Befürchtungen benannt und zur Anzeige gebracht würden. Wenn es Anhaltspunkte für ein mindestens unangemessenes Verhalten seitens eines Mitarbeitenden im kirchlichen Dienst gebe, dann würde entsprechenden Hinweisen nachgegangen. Wenn Kleriker beschuldigt würden, werde vom Bischof immer eine eigene kirchenrechtliche Untersuchung eingeleitet. Diese ruhe allerdings, solange die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen liefen.
Bei einer kirchenrechtlichen Voruntersuchung ermittle ein unabhängiger Voruntersuchungsführer.
Frings nannte in diesem Zusammenhang auch Zahlen. Bis Ende Juli dieses Jahres gab es beim Bistum 237 Meldungen von sexuellen Übergriffen mit Anträgen auf Leistungen in Anerkennung des Leids. Gezahlt wurden seitens des Bistums 1,4 Millionen Euro. Zusätzlich wurden bisher Therapiekosten in Höhe von gut 275.000 Euro übernommen. In einem neuen Verfahren, das seit Jahresbeginn gilt, können Betroffene zudem Folgenanträge stellen. Das ist in 142 Fällen schon geschehen.
Pressedienst Bistum Münster 22.09.21
Aktuell, sagte Frings, sei die Betroffenenbeteiligung ein wichtiges Thema. Das Bistum Münster gehe hier in Absprache mit Betroffenen den Weg, dass diese selbstbestimmt und unabhängig vom Bistum aktiv werden – in der Form, wie sie das möchten. Ebenfalls auf Unabhängigkeit setze das Bistum bei der Aufarbeitung der Vergangenheit. Diese erfolge seit 2019, ohne dass das Bistum hierauf irgendeinen Einfluss habe, durch eine Historikerkommission der Universität Münster. „Im Unterschied zu den Gutachten in Aachen und Köln – dort fand eine rein juristische Bewertung der Vergangenheit statt – geht das Projekt in Münster umfassender vor; denn eine rein juristische Bewertung der Vorkommnisse der Vergangenheit greift eindeutig zu kurz“, unterstrich Frings.
Weitere Informationen gibt es auf: www.bistum-muenster.de/sexueller_missbrauch.
Foto: Bischöftliche Pressestelle / Ann-Christin Ladermann

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