Kreisdekanat Borken veröffentlicht kirchliche Statistik für das Jahr 2020

Bischof Dr. Felix Genn fordert nach der Pandemie ein neues „Normal“ in Gesellschaft und Kirche.

1584 Menschen haben 2020 im Kreisdekanat Borken ihren Austritt aus der katholischen Kirche erklärt. Das sind 487 weniger als 2019. Laut der regionalen Statistik, die das Bistum Münster am 14. Juli veröffentlicht hat, lag die Zahl der Katholiken im Kreisdekanat Borken Ende des vergangenen Jahres damit bei 239.831 (2019: 242.708).
Wie die Bischöfliche Pressestelle weiter mitteilte, kamen 2020 13.238 Katholiken in den Sonn-tagsgottesdienst – mit 7854 deutlich weniger als im Vorjahr. Aufgrund der Corona-Pandemie war die persönliche Teilnahme an Gottesdiensten allerdings lange auch nur sehr beschränkt bis gar nicht möglich. Daher haben das Bistum Münster und viele der 24 Pfarreien im Kreisdekanat Borken den Menschen Gottesdienst-Übertragungen im Internet oder in den Sozialen Netzwerken angeboten, die nicht in die Statistik einfließen.
Massive Rückgänge gab es aufgrund der Corona-Einschränkungen auch bei den weiteren statistischen Zahlen: 1727 Menschen sind 2020 im Kreisdekanat Borken durch die Taufe in die Kirche aufgenommen worden – 498 weniger als im Jahr zuvor. Ebenfalls zurückgegangen ist die Zahl der Erstkommunionen um 163 auf 1986 in 2020. Auch die Zahl der Firmungen weist einen Rückgang auf – um 411 auf 1511. 152 kirchliche Trauungen fanden 2020 im Kreisdekanat Borken statt. Das sind 319 weniger als 2019.
Gestiegen ist die Zahl der Beisetzungen. Waren es 2019 2505, wurden 2020 2553 Katholiken kirchlich bestattet. Weiter eine erfreuliche Zahl: 16 Personen aus dem Kreisdekanat Borken sind 2019 in die katholische Kirche eingetreten. 2019 waren es 18. 25 erklärten ihre Wiederaufnahme nach einem früheren Austritt (2019: 22).
Münsters Bischof Dr. Felix Genn erklärt zu den Zahlen: „Einen gewissen Rückgang hatten wir in den vergangenen Jahren immer zu verzeichnen. Die Zahlen des Jahres 2020 sind aber massiv von der Corona-Pandemie beeinflusst. Kirchliches Leben in größerer Gemeinschaft war im vergangenen Jahr leider nur begrenzt möglich. Umgekehrt dürfen wir uns die Tatsache, dass 2020 weniger Menschen aus der Kirche ausgetreten sind, nicht schönreden. Die Amtsgerichte waren zeitweise geschlossen, und viele Menschen hatten zudem sicher andere Sorgen. Dieses Jahr holt uns die Wirklichkeit mit, soweit wir das im Moment wissen, deutlich höheren Austrittszahlen wieder ein.“
Einen Rückgang zur Normalität, also zum Zustand vor der Pandemie, wünscht sich der Bischof nicht: „Denn es ist doch nicht normal, dass wir unseren Planeten für die kommenden Generationen unbewohnbar machen! Es ist nicht normal, dass wir in den reichen Ländern auf Kosten der Armen leben! Es ist nicht normal, dass Menschen, die sich nach einem guten Leben sehnen, auf Mauern und Stacheldraht stoßen, eingepfercht werden oder ihr Leben verlieren! Und es ist nicht normal, dass wir uns in der Kirche viel mehr um uns selbst drehen als für die Menschen da sind.“ Gesellschaft und Kirche bräuchten nach der Pandemie ein neues „Normal“. „Die Krise, die wir als Gesellschaft und Kirche durch Corona erleben, muss ein Weckruf sein, überkommene Denkmuster und Verhaltensweisen aufzugeben und mutig Neues zu wagen“, sagt Bischof Genn.

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